„Du wickelst mit Stoff? Ich war damals froh als es endlich Wegwerfwindeln gab. Das war ja widerlich“

So oder so ähnlich klingen die Kommentare von vielen Omas und Opas. Hast du dir schon einmal angeschaut wie wir damals gewickelt wurden? Einfach ein Mulltuch ( oder auch Spucktuch genannt) um den Popo, mit einer Klammer zugeklemmt und fertig. Natürlich war das wasserdicht aber auch luftdicht und musste immer zügig getauscht werden. Jede Menge Handwäsche stand an. Und immer wieder zwischendurch war das Bettchen nass. Ganz ehrlich? So würde ich es auch nicht machen wollen.

Nun habe ich mich schon in der Schwangerschaft intensiv mit dem Thema ökologisch wickeln auseinander gesetzt. Jede Menge Meinungen und Anbieter gibt es da natürlich. Wie auf dem „normalen“ Windelmarkt auch. Doch selbst die WWW(Abkürzung für Wegwerfwindel) in der Öko-Version schienen mir einfach nur oberflächlich ökologisch. Denn der Müll entsteht trotzdem. Zersetzen muss es sich ebenfalls. Und das dauert nunmal nicht nur 1 Stunde…

Also traf ich doch wieder auf das Thema Wickeln mit Stoff. Doch auch da gibt es unzählige verschiedene Marken und eine Menge verschiedene Methoden und Systeme.  Damit du dich nicht durch den Info-Dschungel wühlen musst wie ich damals, habe ich hier eine Übersicht zu den verschiedenen Systemen für dich.

AIO ( All-in-One)

Eine AIO-Windel ist im Prinzip wie eine WWW aufgebaut. Das heißt – dein Baby trägt sie und sobald sie voll ist, wandert sie in die Wäsche und dein Baby bekommt eine neue AIO. Die Windeln bestehen aus einer wasserdichten Außenschicht und eingenähten Einlagen.

VorteilNachteil
Sie sind ganz easy angelegt und eignen sich
deshalb wunderbar für Oma/Opa/KiTa/KiGa etc.
Da die Windel bei jedem Geschäft gewechselt
werden muss, benötigt man viele AIO's. Außerdem 
sind sie recht teuer in der Anschaffung. Somit 
haben sie von allen Systemen die größten 
Anschaffungskosten.

AI2 ( All-in-2)

Eine AI2 Windel (oder auch Hybridwindel genannt) besteht aus einer wasserdichten, atmungsaktiven Überhose (meistens aus PUL – Polyurethanlaminat) und Saugeinlagen. Die Überhose hat jeweils eine oder zwei innere Laschen, durch die die Einlagen an Ort und Stelle bleiben. Die Laschen sind meistens ebenfalls aus PUL oder aus Mircofaserfleece.  Die Einlagen sind nicht eingenäht. Somit kann alles an Einlagen verwendet werden, z.B. alte Handtücher, IKEA Waschlappen, selbstgenähte Einlagen, Mulltücher etc. Es werden nur die Einlagen beim Wickeln getauscht, wenn die Überhose noch sauber ist.

VorteilNachteil
 Dadurch benötigst du nur wenige Überhosen 
und kannst viel Geld sparen ( und natürlich Wäsche ;) ) 
Bei kleinen Babys kann es aber durchaus sein, 
dass Milchstuhl häufiger an die Außenwindel gelangt. 
Also sollte man lieber 2-3 Überhosen mehr kaufen, 
um nicht in einen Engpass zu geraten.
PUL-Überhosen sind zwar atmungsaktiv,
können im Sommer aber trotzdem einmal
zu schwitziger Haut führen.

Überhosen

Eine Überhose besteht aus einer wasserdichten, atmungsaktiven Überhose (meistens aus PUL – Polyurethanlaminat) und Saugeinlagen. Die Einlagen sind nicht eingenäht. Die Überhosen haben keine Laschen wie die Hybridwindeln. Deshalb sind sie auch gut geeignet in Kombination mit Höschenwindeln oder Mullwindeln. Alles an Einlagen kann verwendet werden, z.B. alte Handtücher, IKEA Waschlappen, selbstgenähte Einlagen, Mulltücher etc. Es werden nur die Einlagen beim Wickeln getauscht, wenn die Überhose noch sauber ist.

VorteilNachteil
 Dadurch benötigst du nur wenige Überhosen 
und kannst viel Geld sparen ( und natürlich Wäsche ;) ) 
Bei kleinen Babys kann es aber durchaus sein, 
dass Milchstuhl häufiger an die Außenwindel gelangt. 
Also sollte man lieber 2-3 Überhosen mehr kaufen, 
um nicht in einen Engpass zu geraten.
PUL-Überhosen sind zwar atmungsaktiv,
können im Sommer aber trotzdem einmal
zu schwitziger Haut führen. Die Einlagen 
werden nicht fixiert, da keine Laschen
vorhanden sind.

AI3 (All-in-3)

Eins meiner Lieblings-Systeme ist das AI3-System. Es besteht aus einer Außenwindel aus Stoff , einer PUL-Wanne und Einlagen. Die PUL-Wanne wird eingeknöpft und die darin liegenden Einlagen beim Wickeln getauscht. Sollte doch einmal etwas an die Wanne gelangen, kann man diese ebenfalls tauschen. So benötigt man ebenfalls nicht viele Windeln, ein paar Wannen mehr und natürlich Einlagen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie durch den Stoff (z.B. Baumwolle oder Jersey) sehr weich an der Haut sind und nicht der komplette Windelbereich mit PUL verdeckt ist. Zudem gibt es diese Systeme mit sehr weichen Bündchen und hinterlassen so auch bei Speckbeinchen keine Abdrücke. Leider sind diese Windeln meistens sehr teuer. Aber sie sind bestens zum selber Nähen geeignet 🙂

VorteilNachteil
Man benötigt nicht viele Windeln.
Wenn man ein paar zusätzliche Wannen
hat, kann man diese bei einem Malheur
tauschen und die Außenwindel weiter
benutzen.
Der Stoff ist sehr weich auf der Haut 
und nicht der komplette Windelbereich
mit PUL verdeckt.
In der Anschaffung sind diese Windeln
recht teuer. Wer nähen kann findet dazu 
aber tolle Schnittmuster im Netz.

Pocket-Windeln

Diese Windeln bestehen aus einer Außenwindel aus PUL mit einer eingenähten Schicht Stoff, z.B. Microfaser-Fleece oder Coolmax. Am Rand der Windel ist ein „Taschenloch“. Dort kannst du dann Einlagen hineinschieben, sodass sie zwischen den beiden Stoffen liegen.

VorteilNachteil
Du kannst die Einlagen wieder
selber auswählen.
Durch das Wechseln der gesamten Windel
beim Wickeln ist es wieder super
für die KiTa/KiGa etc. geeignet.
Man braucht wie bei AIO sehr
viele Windeln, da sie bei jedem Geschäft
getauscht werden müssen. Aber sie sind 
preiswerter als AIO.

SIO (Snap-in-One)

Diese Windeln bestehen aus einer Außenwindel aus PUL mit Snaps. Die Dazugehörigen Einlagen haben ebenfalls einen Snap(Druckknopf) und werden in der Überhose eingeknöpft. Die Überhosen haben dementsprechend keine Laschen.

VorteilNachteil
Die Einlagen verrutschen nicht durch den
Knopf. Man muss nur die Einlagen wechseln
beim Wickeln und benötigt deshalb wenige
Windeln.
Bei der Wahl der Einlagen ist man nicht
so flexibel. Sie müssen einen Druckknopf 
haben, um sie festzumachen.

Höschenwindeln

Wie der Name schon sagt ähneln Höschenwindeln einem „Höschen“. Die Windel besteht komplett aus Saugmaterial und benötigt deshalb noch eine wasserdichte Überhose aus PUL (oder Wolle). Meistens werden Höschenwindeln für die Nacht benutzt.

VorteilNachteil
Sie saugen sehr viel.
Super geeignet als Nachtwindel
Machen einen dicken Windelpopo.
Wenn man sie auch tagsüber verwendet,
benötigt man natürlich bei jedem Wickeln
eine neue HöWi.

Bindewindeln

Bindewindeln werden nicht so oft verwendet. Sie bestehen aus einem geformten Stoff und werden mit den angebrachten „Schnüren“ zusammengebunden. Auch diese benötigen eine wasserdichte Überhose.

VorteilNachteil
Sie sind günstig und machen
einen dünnen Windelpo.
Man benötigt sehr viele und
das Anlegen ist bei mobilen Babys
recht schwierig.

Windelklammer

Keine eigene Windel, sondern Windelklammern gibt es heute immer noch. Eine Mullwindel wird in speziellen Techniken gefaltet und angelegt und dann mit der Klammer verschlossen. Dies wird gerne bei Neugeborenen verwendet. Sollte man eine wasserdichte Überhose dazu benutzen, ist die Klammer nicht mehr nötig.

Jetzt hast du eine kurze Übersicht zu den verschiedenen Systemen. Weiter geht es bald mit Teil 2 meiner Stoffwindel-Reihe!

Wickelst du auch mit Stoff? Welches System benutzt du? Oder weißt du vielleicht noch gar nicht wo du anfangen sollst?